Non finito 2 


Neben den Beyond-Bildern beschäftigt mich das Thema der Non finito-Bilder. 

Jedes Non finito-Bild beginnt und entwickelt sich aus einer dynamischen abstrakten Form mit Kohle gezeichnet, einem der ältesten Zeichenmaterialien.
In diese organische Form setze ich die Akteure. Sie warten, stehen Schlange, sind auf dem Weg. Sie enden in ihrem eigenen Spiegelbild oder im Abgrund, auf abgebrochene Brücken, im Unbekannten, an unerreichbaren Haltestellen. Was treibt sie an?
Im Prozess gleiche ich die Abstraktion mehr und mehr der Wahrnehmung an, aus dem abstrakten Organismus wird eine Landschaft. Doch der Prozess erreicht keine Vollendung, er bleibt non finito wie auch das Suchen und Warten der Menschen im Bild. 

Unterwegs - Wohin? Wohin zurück?
140 x 100 cm
(Acryl auf Leinwand)
Febr. 2019

DAS GROSSE WARTEN
70 x 100 cm
(Kohle, Tusche, Kreide, Gouache auf Karton)

Auf zur Vollendung!
70 x 90 cm
(Kohle, Tusche, Kreide, Gouache auf Karton)

Nur für Individualisten
60 x 80 cm

(Kohle, Tusche, Kreide, Gouache auf Karton)
non finito II Ausstellung


Ausstellungen 2019 

 Württembergischer Kunstverein 24.08.-22.09.2019 
Thema: "Könnte aber doch"  Gemeinschaftsausstellung 

Laut Ausschreibung:
"Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muss es auch Möglichkeitssinn geben.“  (Robert Musil, Mann ohne Eigenschaften, 1930 )
Nichts, was ist oder war, ist notwendig so, wie es ist oder war. Es könnte auch ganz anders (gewesen) sein. Auf diesen Überlegungen fußend findet vom 24. August bis 22. September 2019 mit rund 300 Teilnehmer*innen die diesjährige Mitgliederausstellung statt und zielt auf eine künstlerische Verhandlung des Konjunktivs „könnte aber doch“ ab.

Arbeit zur Ausstellung
"Könnte aber doch"
24.08. - 22.09.2019
Württembergischer Kunstverein
Schlossplatz 2 in Stuttgart

Konzept

Titel: Future 1 – Überwindung

 

Future 1                      steht als Platzhalter für die möglichen mannigfaltigen Zukunftsaussichten im Gegensatz zur kategorischen Vorhersage einer Zukunft.

Die Überwindung       windet sich über die Ängste, die fehlende Neugier und das Verharren im Status quo, erst dann können wir wieder kreativ gestalten und die Welt der Vorstellung und der Möglichkeiten öffnen.

 

Material

 

Besteht aus einem Keilrahmen mit drei sich überlagernden Leinwänden (H x B: 100 x 70 cm) und einem Hinweisschild DIN A6 an der Wand hängend.

 

Die Leinwände

Der Vergleich mit einem Abreißkalender ist beabsichtigt, trotz seines inzwischen anachronistisch wirkenden Seins in einer digitalen Welt. Noch immer symbolisiert er unsere Auffassung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Mit festen Daten versehen durchlaufen wir das Jahr und was noch eben ein Termin in der Zukunft war, ist schon einen Monat später ein abgerissenes Kalenderblatt. Er beherbergt leise die Illusion der Zeitkontrolle.

Doch Daten findet man auf den Leinwänden nicht. Die 3. und letzte Leinwand ist umfassend aufgespannt. 

 
Das Hinweisschild


„Folgen Sie Ihrem roten Faden und

ziehen Sie…

..ziehen Sie alle Möglichkeiten in Betracht!“. 

Dass dieses Ziehen tatsächlich im wortwörtlichen Sinne gemeint ist, muss der Betrachter selbst erkennen. An der ersten Leinwand befindet sich eine rote Schlaufe.

Die Absicht

 

Eine kurzfristige Konfrontation mit scheinbarer Evidenz, die durch einen Hinweis in Frage gestellt wird. Die Ebenen der Möglichkeiten sind nur vordergründig greifbar. Der Betrachter müsste die eigenen Ängste, die fehlende Neugier und das Desinteresse überwinden, wenn er sich ihnen nähert. Wenn vor ihm niemand die Leinwände anhob, löst er sich aus dem Gruppenverhalten. Er verändert mit seiner Handlung die Szene und das Material. Die möglichen Ebenen bestehen auch, wenn er sie nicht betrachtet. Der Betrachter wird mit seiner Handlung, ebenso mit seiner Untätigkeit, ein Teil der Arbeit.




 




 

 




Warum 3 Ebenen?

 

Obwohl sie unabhängig vom Betrachter vorhanden sind und der Betrachter sie nicht sieht, stehen sie als parallele Möglichkeiten. Der Betrachter hat die Wahl, ob er nach dem Lesen des Hinweisschildes sich überwindet und danach sucht oder ob er alles beim Status quo belässt. 

 

1. Ebene

 

Das erste Bild steht als Gegenpol zum Hinweisschild. Kategorisch wiederholt sich die Aussage in schwarz und weiß: „So ist es! Es gibt keine andere Möglichkeit!“ auf einer umfassenden angedeuteten Mauer. Zugleich zeigt sich die Ambivalenz der Worte im Bild, denn die Zeichnung besteht nur aus Kohle und Rötel. Es handelt sich nur um eine brüchige und anfällige Illusionsmalerei. Ein Tuch oder ein Radiergummi verwischt den Spuk oder löscht ihn aus. Das „So ist es!“ wird fragwürdig und lächerlich auf solcher Grundlage. So, wie wir es zum Beispiel von mancher gesicherten Geschichtsschreibung kennen. Es gibt noch einen Grund, warum ich mich für Kohle entschied. Wir Menschen, wir Europäer, wir Deutsche vermögen uns, kaum weniger kategorisch, nicht von der Kohle zu trennen, trotz hoher CO2 Belastung, noch weniger von der Kohle als Synonym für Geld. Wir fürchten finanzielle Belastungen, wenn wir von neuen, parallelen Möglichkeiten und Vorstellungen hören.Jeder Richtungswechsel fordert seinen Tribut. 
Vor der Mauer bewegen sich Menschen oder Karikaturen von Menschen auf eine spiegelnde Fläche zu. Die Faszination von uns selbst, von unseren Errungenschaften und Leistungen, von unserem Fortschritt bannt uns Menschen in unserer Spiegelung und erschwert es uns, darüber hinaus zu sehen. Was im nächsten Schritt passieren wird, wenn der Erste weiter auf das flexible spiegelartige Gebilde zuschreitet bleibt offen. Ob danach jeder weitere Fortschritt endet? Oder geht er vielleicht einfach hindurch und weiter zum Abgrund? Wenn ja, wird er anhalten, zurückgehen oder hinabstürzen?  Vielleicht wird der Erste und alle die nachfolgen einfach im Spiegel verschwinden? Alles ist offen in dieser scheinbar aussichtslosen Situation.




 







Die Zeichnung im Vordergrund ist im Stil meiner Non finito Serie, und es ist interessant, sie in einen neuen Kontext zu integrieren. 

 

Die Worte wollen den Betrachter daran hindern, der nicht weniger drängenden Aufforderung vom Hinweisschild zu entsprechen. Der Betrachter steckt spielerisch im Dilemma zwischen scheinbarer Sicherheit und der kreativen Terra incognita. Beides bietet keine Sicherheit.

 

2. Ebene

 

Das Bild „Blick auf einen See“ war das Schlüsselbild zu meiner beyond Serie und bildet als Original (Acryl auf Leinwand HxB:100x70 cm, wurde im Jahr 2007 ausgestellt) die zweite Ebene und wird somit ein weiterer Bestandteil in dieser installierten Arbeit. 

Warum verwende ich hier ein älteres Bild? Das Alte zu überwinden (seien es alte Technologien, Vorstellungen von geschichtlichen Abläufen, Verhaltensweisen, die umweltschädlich sind) führt häufig dazu, die Dinge neu zu denken und sich kreativ der Welt der Möglichkeiten zuzuwenden.

 

 Um mich dem Thema zu nähern musste ich mich für eine Ebene entscheiden, die für mich diese Überwindung direkt symbolisiert. Denn Überwindung fordert immer auch einen Tribut.

 

Das Bild selbst spielt mit der Vorstellungskraft des Betrachters, doch im neuen Bezug steht dieser wieder vor einer Mauer, wie auf dem ersten Bild. Im Gegensatz zum Ersten öffnet sich diese dem Licht und der Farbe, und die größte Öffnung ist in diesem Falle der Text und Titel „Blick auf einen See“. Er reicht in die Welt der Vorstellung. Wo der Text der ersten Ebene kategorisch vermauerte, führt dieser hinaus und möchte das Sichtbare überwinden.

 

3. Ebene

 

Gegenstandslos und leer bleibt die letzte Ebene als Projektionsfläche und die kreativste Ebene für den Betrachter, denn hier geht der Stab an ihn. 

Wir alle schreiten individuell in die Terra incognita, die vor uns liegt. Auf diesem Weg liegt es an uns, die Möglichkeiten in uns und hinter den Dingen zu erspähen. Dies ist in einer Gesellschaft immer auch die Leistung des Einzelnen. Von mir bleibt dort nichts, als ein handschriftliches „könnte auch...“. 




Bilder zur Eröffnung am 23.08.2019  im Kunstverein:

Künstlergilde Ulm e.V. 12.09.-22.09.2019 Thema: "Stillleben"  Kunstpreis und Gemeinschaftsausstellung.

Laut Ausschreibung:

Das Thema soll einen Bogen spannen von der historischen
Bedeutung des Stilllebens bis in unsere Zeit. Altes Rezept 
neu interpretiert. Neue Materialien, neue Sichtweisen, 
neue Umwelt und neues Denken, wie sieht das Stillleben 
von heute aus? 

Arbeit zur Ausstellung "Stillleben"
Künstlergilde Ulm e.V.  Vernissage
am 08.09.2019

Titel: "Stillleben mit Zitrone"
Maße: 50 x 50 cm
Material: Acryl auf Leinwand
mit 5 kleinen Fotopapier
Laserausdrucken (aufgeklebt).



Konzept:
Die Anwesenheit der Zitrone besteht in ihrer Abwesenheit und ihr Umriss ist nur der Beweis, dass sie da war oder sie da sein könnte.

Was lässt sie aus dem Bild verschwinden?

Im oberen rechten Bildrand (im Goldenen Schnitt) erscheint die Zitrone nicht mehr als Teil des Stilllebens, sie ist separiert, dennoch gehört sie zum Ensemble. Ist sie nur die Kopie einer Zitrone, die nicht da ist oder ist sie zugleich das Original, ähnlich dem Spiegelbild  im Smartphonebildschirm? Ist der weiße Fleck innerhalb der Umrisslinie mehr Zitrone?

Wir suchen häufig im Smartphone nach Themen, Orten, Personen wovor wir schon lange stehen. Wir suchen die Welt im kleinen Bildschirm und befinden uns längst in ihr. Negieren wir dann nicht wonach wir suchen? Wird das Gesuchte dann nicht zum weißen Fleck auf unserer Landkarte? Und wenn wir es in der Suchmaschine gefunden haben, ist es dann noch das Gesuchte? Oder doch nur noch Zitronensaft bei ebay? 

Doch wie real ist das Verschwundene? Und was an diesem Stillleben ist realer als eine sich verzweigende Online-Suche? Können wir einen qualitativen Stellenwert setzen? Ist das Stillleben mit Zitrone doch nur ein Abbild einer gestellten Szenerie. Nach meinen Vorstellungen und Assoziationen gestellt und durch sie in der Umsetzung nicht weniger entstellt als eine Online-Suche. 


Bilder zur Vernissage am 08.09.2019:

(In den Räumen der Künstlergilde in Ulm)

Galerie plan.d.produzentengalerie 07.09.-06.10.2019
Thema: "Und die Wände schauen zurück"
Kunstpreis und Gemeinschaftsausstellung.

Laut Ausschreibung:

Selbstbildnisse, Portraits und Antlitze zur Jubiläumsausstellung.




Arbeit zur Ausstellung

Titel: "Nichts bleibt"
Maße: 25 x 30 cm
Material: Acryl auf Holzplatte (Fragment)


Konzept:

Der Titel der Ausstellung inspirierte mich dazu, meine Thematik "Verschwinden" mit dem Blick aus der Wand zu verknüpfen.
Einen schwindenden Blick, ein schwindendes Porträt erzeugte ich 
indem ich seine Grundstruktur auflöste, den Malgrund. 
Ich bemalte eine große Holzplatte mit einem sitzenden Akt bis zur
Körpermitte und riss und brach die Platte in Stücke. Für mich war
das Material Holz ein Symbol für die Zerstörung im Antlitz des Waldes. Die Stücke warf ich ganz im Sinne unseres Umgangs mit Holz in den Abfall. 
Auch ein Zeichen dafür, dass Künstler mit ihren Materialien nicht weniger vernichtend auf den Wald einwirken. 
Zurück blieb das Fragment eines Gesichts. Das weiterhin mit seiner Versehrtheit aus der Wand blickte.
 
Was schwindet dort?
Der Porträtierte,  der Mensch als Lebewesen, als Persönlichkeit, die Jugend, der Augenblick, jemand, der sich als Mitglied einer Gesellschaft auflöst? Die Bruchstellen sind offen. Vielleicht schreitet das Schwinden fort? Noch blickt er aus der Wand. Und an der linken Seite steht "Alles fließt, nichts bleibt". Bleibt nichts?



Bilder zur Vernissage am 07.09.2019:

(In den Räumen der Galerie plan.d. in Düsseldorf)

Fotoprojekt:    Fremd

Gemeinsames Fotoprojekt mit der freien Fotografin Karin Nachttau.
Installationen im Südschwarzwald. Die Fremdheit des Menschen in der Natur durch seine eigene Abgrenzung. Auch der Mensch in seinem Versuch die Natur wieder zu erreichen, ihr nahe zu kommen, bleibt ein weißer Fleck mit seiner tief sitzenden Distanziertheit.

Seit 2017 erstellen wir Installationen im Wald, sichtbar für Spaziergänger als Kunst im öffentlichen Raum. Ohne Ankündigung.

Jimdo

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