Portfolio

Manches verschwindet und bleibt doch ein Teil einer Szene, 
manches wird Teil einer Szene, auch wenn man es nicht sieht. 

Die Vorstellungskraft ist eine virtuelle Welt. 

Malerei und Text möchten diese Welt gemeinsam öffnen, wenn sie der Betrachter frei gibt. Wir sehen nichts, wenn wir nicht erkennen wollen.

Malerei

Beyond

Menschen tauchen auf und verschwinden.

Sie sind nur Erinnerungsspuren im Raum.

 Die Kulisse bleibt mit und ohne sie.


Konzept zu den Beyond-Bildern und meiner Arbeit

 

Die Ontologie in der Wahrnehmung, das Verschwinden und Auftauchen ist bestimmend in meiner Arbeit. Es paart sich mit der Konfrontation des Menschen mit seiner Umwelt und seiner Suche nach und das Warten auf etwas.

Der Focus der Non finito-Bilder liegt auf dem Suchen und Warten, die Beyond-Bilder sind vom Schwinden und Auftauchen geprägt. Die Thematik greift ineinander und beide sind zwei Seiten der selben Medaille.
 

Beyond

  Der alte Mann auf der Treppe spähte zurück. Was er dort sah, weiß ich nicht. Die Szene prägte sich ein, wie er bedächtig die Stufen hinab stieg, verharrte und zurück sah. Es war seltsam wie er zurück schaute im Licht. Zumal dort nichts zu sein schien. Ich traf ihn nie wieder, aber immer wenn ich dort vorbei kam, sah ich ihn vor mir, dort auf der Treppe, wie er danach spähte, was auch immer es war. 

 

  Für mich sind die Bilder mehr Installationen als Bilder. Sie sollen den Betrachter integrieren. Die Installation ist der Prozess vor, mit und nach dem Bild. Der Betrachter ist mit seinem Vorstellungsvermögen ein aktiver Teil der Vorstellung, wie ich selbst. Das Bild ist die Kulisse und der Rahmen.
 Sinn ist es, ein teilvirtuelles Bild zu schaffen, das immer neu mit der Vorstellung und Vorstellungsfähigkeit des Betrachters entsteht und sich verändert.

  Die Bildgröße ist für mich wichtig, um den Betrachter mit in die Szene und mit in den gesamten Verlauf (angefangen mit meinen Vorstellungen als Urheber) zu integrieren.
 
 Am Ende möchte ich den Freiraum für die Interpretation lassen, ob es tatsächlich eine Erinnerung ist oder ob diese Szene Erinnerung werden könnte. Oder vielleicht befindet sich die Szene und die Person doch nicht im Bild, sondern ist ein Betrachter und ein Geschehen außerhalb?

 Hintergrund zu Beyond: Im Jahr 1998 verbrachte ich 3 Monate in Leipzig. Eine Stadt, die noch immer dabei war sich neu zu erfinden. Altes wurde gesprengt oder restauriert. Ich fuhr täglich mit der Straßenbahn in die City von Leipzig und skizzierte und sprach dort, aber auch in Dresden und Umgebung, mit vielen verschiedenen Menschen. Ich erfuhr ihre Träume, ihre Hoffnungen und ihre Erinnerungen an Szenen auf Straßen und Plätzen. Der Fall der Mauer war noch präsent und die Erlebnisse der Bürgerbewegung. Ich skizzierte die Orte dieser verschwundenen Szenen wie sie jetzt waren. Ich betitelte die Skizzen mit den Erinnerungen der Anwohner.  Zurück in Mannheim, setzte ich noch ein paar Zeichnungen auf diese Weise um, doch ich verwarf die Idee für einige Jahre.  Bis ich das Bild "Blick auf einen See" 2007 für die 100 Schwäne Ausstellung zum Stadtjubiläum von Schwenningen malte.

Warum gegenständliche Malerei und nicht Fotografie?  Ich bin überzeugt, dass auch die Fotografie oder eine Rauminstallation das Thema erfassen und umsetzen kann.  Mich interessiert jedoch, welche Antworten die Malerei gemeinsam mit meinen Texten geben kann und deren Entwicklung, denn der Mal-Prozess verändert die Szene mit den Assoziationen, mit dem Licht der Umgebung, dem Verfall. Ein Prozess der Transformation auf die Leinwand, der bei der Fotografie nur den Bruchteil einer Sekunde dauert und in der Malerei Tage oder Wochen verläuft, zwischen Idee und Szene und dem ersten Strich auf der Leinwand. Auch dieser Prozess ist verschwunden und ist dennoch Bestandteil des Bildes.

 In der Vergangenheit gab es viele Beispiele und Varianten mit verschiedenen Intentionen, die Text und Bild verbanden.
 Für die malerische Umsetzung sah ich weder eine fotorealistische Malerei als Mittel, noch eine zu vage und gegenstandslose Leinwand.
 Es geht mir um das Moment der Erinnerung und Vorstellung. Und Erinnerung verändert einen Raum. Unwichtiges verschwindet, verblasst,  vereinfacht sich, es entstehen Lücken, Erinnertes vergrößert sich, wird plastischer, bleicher, farbiger etc. im Rückblick auf eine Situation. Folglich lasse ich expressionistisches und surreales zu, wenn es mir wichtig erscheint. Aber mein Focus liegt nicht im Expressionismus oder Surrealismus.   
Die Orte: Im Gegensatz zu non finito, wo kein Ort tatsächlich existiert und alles aus einer dynamischen Abstraktion entsteht, sind die Orte bei beyond tatsächlich vorhanden.
Alle Bilder entstehen in erster Linie nach Zeichnungen und Skizzen vor Ort. Denn auch Erinnerung ist skizzenhaft. Mir ist wichtig, was ich im Hinblick auf den Titel an dieser Stelle beim skizzieren als wichtig erkenne und was in den Hintergrund tritt.  Darüber hinaus fasziniert mich das Licht vor Ort. Zwar fotografiere ich beim Verlassen des Ortes die Szenerie mit dem Smartphone, doch dies nur, um wichtige Einzelheiten nachzuvollziehen.
Das Bild "Sie schläft nur" setzte sich fast ausschließlich aus Skizzen aus meiner Erinnerung zusammen.


Zum Material und der Malweise: Meine Bilder liegen häufig zwischen Malerei und Zeichnung. Die Palette besteht ausschließlich aus den Primärfarben sowie weiß und in manchen Bildern schwarz. Ich male mit Lukas liquid Primärfarben.  Nicht selten, vor allem bei den non finito-Bildern, kombiniere ich es mit einer Kohlemischtechnik. 


Eine kleine Auswahl weiterer Bilder sehen Sie unten und in meinem Atelier. Ich freue mich auf Ihren Besuch mit kurzer Ankündigung per Telefon oder Email.


Jimdo

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